Bandscheibenvorfall – auch ohne Schmerzen möglich?

Bandscheiben werden oft für Rückenschmerzen verantwortlich gemacht. Der Bandscheibenvorfall gehört zu der Gruppe der spezifischen Rückenschmerzen, die einen geringen Prozentsatz der Rückenschmerzen ausmacht.

Eine Studie der HCHE ergab, dass jede dritte Wirbelsäulenoperation nicht den Empfehlungen entspricht. Die konsequente Durchführung der konservativen Therapie wurde bei 1/3 der Patienten nicht verfolgt und wurden anschließend operiert. Natürlich gibt es Fälle, bei denen eine Bandscheibenoperation dringend anzuraten ist, wie z.B. bei Muskellähmungen, heftigste, nicht besser werdende Schmerzen und Funktionseinschränkung der Potenz und Sexualorgane und noch einige mehr. Bitte wenden Sie sich an Ihren Arzt. Jedoch können Bandscheibenvorfälle zum Großteil konservativ erfolgreich behandelt werden.

Es werden viele Begriffe zur Beschreibung von Bandscheibenproblemen verwendet, aber die Bandscheibenprobleme lassen sich in zwei Hauptkategorien einteilen:

– Interne Bandscheibenruptur (degenerative Bandscheibenerkrankung, Bandscheibenvorfall, Rückenschmerzen durch Bandscheibenvorfall) und
– Bandscheibenvorfall.

Die Wirbelsäule mit seinen Bandscheiben.
Der Aufbau der Bandscheibe

Wie ist die Bandscheibe aufgebaut?

Die Bandscheibe besteht aus einem äußeren Faserring (Anulus fibrosus) und einem Gallertkern (Nucleus pulposus). Der Gallertkern sitzt zwischen den Abschlussplatten (Deckplatten). Die Bandscheiben im unteren Rückenbereich sind ungefähr 7-10 mm dick und haben einen Durchmesser von 4 cm. Der Anulus fibrosus verbindet die Randleisten zweier Wirbel miteinander. Die Bandscheiben haben eine eigene Nervenverbindung und können Schmerzen auslösen.

Die Hauptfunktionen der Bandscheibe sind Übertragung von Lasten und die Bewegungen zwischen den Wirbelkörpern zu erleichtern.Wirken axiale Kräfte auf die Wirbelsäule ein, so hilft die Bandscheibe bei der Druckverteilung der Kräfte.

Die Bandscheibenproblematik wird oft durch den Alterungsprozess der Bandscheiben verursacht. Es trocknet nach und nach aus und verliert seine Elastizität und Dämpfungsfunktion. Dadurch wird der innere Teil der Bandscheibe komprimiert und die Dämpfung zwischen den knöchernen Teilen der Wirbel und dem äußeren Teil der Bandscheibe (dem Anulus) verringert. Im Anulus treten kleine Risse auf, die Schmerzen verursachen können.

Wenn die Bandscheibe Schmerzen entlang des Nervs verursacht, spricht man von radikulären Schmerzen. Dieser Schmerz tritt auf, wenn der Gallertkern aus der Bandscheibe austritt und in Kontakt mit einer Nervenwurzel kommt. Die Freisetzung des Gallertkerns in den Spinalkanal führt zu einer Entzündungsreaktion. Schmerzen sowie andere Symptome wie: Taubheit, Kribbeln oder (Muskel-)Schwäche wandern oft entlang der Nervenbahnen.
Ein Beispiel: Ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule kann Schmerzen im Verlauf des Ischiasnervs an der Beinrückseite verusachen. Ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule kann Schmerzen verursachen, die in den Arm ausstrahlen.

Ausstrahlende Schmerzen im Bein bei einem Bandscheibenvorfall

Test und Untersuchungstechniken beim Bandscheibenvorfall

– Sensorische Tests
Jeder Nerv versorgt eine bestimmte Fläche am menschlichen Körper. Diese Fläche nennt man Dermatom. Bei einer Nervenschädigung durch einen Bandscheibenvorfall werden die sensiblen Qualitäten im entsprechenden Dermatom des Nerves verändert.

Motorische Tests
Muskeln werden von Nerven versorgt, die aus der Wirbelsäule austreten. Bei den motorischen Testungen werden die Muskeln auf Kraft überprüft. Die sogenannten Kennmuskeln werden jeweils von einem bestimmten Teil der Wirbelsäule versorgt. Je nachdem welcher Muskel abgeschwächt ist, kann ein Indiz dafür sein, auf welcher Höhe der BSV ist.

Ein Beispiel dafür: Die Fußheberschwäche kann auf ein L5 Syndrom hinweisen. Der Patient kann seinen Fuß nicht mehr hochziehen. Um nicht über seinen Fuß zu stolpern, eignet sich der Patient einen Storchengang an, dabei werden die Knie weit nach oben gezogen.

Neurodynamische Tests

Bei den Neurodynamischen Test wird die Beweglichkeit des Nervensystems untersucht. Dabei werden einige Nerven in die Länge gezogen und auf Widerstandsfähigkeit getestet.

Reflexe der werden getestet, da diese im Falle einer Nervenwurzelschädigung abgeschwächt sein können.

Die neurologischen Tests sind nicht sehr gut untersucht und die Genauigkeit der Testergebnisse zur Identifikation von Bandscheibenproblemen eher fragwürdig.

Bildgebende Verfahren

Bei verdacht auf Bandscheibenvorfällen sind unter anderem typisch angewandte bildgebende Verfahren die Röntgenuntersuchung, Computertomographie (CT), die Magnetresonanztomographie (MRT) und Provokative Diskographie.

Leider kann auch nicht mit Hilfe der bildgebenden Verfahren bei einem Großteil der Rückenprobleme ein Schmerzauslöser identifiziert werden.

Weil:

  • gesunde Menschen können degenerative Veränderungen der Wirbelsäule aufzeigen
  • die Veränderungen der Wirbelsäule können zufällig in Zusammenhang mit Rückenschmerzen stehen
  • die degenerativen Veränderungen sind normale, altersbedingte Anpassungen.
  • Personen um die 40 Jahre hat das MRT zu 33% einen Bandscheibenvorfall festgestellt. Bandscheibenvorwölbungen waren es 50%. Interessanterweise wurden nur Personen untersucht, die keine Schmerzen in der Lendenwirbelsäule hatten.(Brinjikji et al. 2015)
MRT Bild von der Wirbelsäule bei Bandscheibenvorfällen
CT-Aufnahme der Wirbelsäule und Becken bei Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfälle

Bandscheibenvorfälle mit Schmerzen im Verlauf des Nervs sind die einzigen Bandscheibenprobleme die sich relativ sicher identifizieren lassen. Erstens muss eine neurologische Komponente vorhanden sein und diese These kann durch eine hochwertige bildgebende Untersuchung bestätigt werden.

Es gibt sehr viele Bandscheibenvorfälle oder Bandscheibenvorwölbungen, die keine Schmerzen oder Symtome auslösen.

Die meisten Rückenschmerzen sind nicht im spezifischen Ursachenbereich zu finden, wie der Bandscheibenvorfall, sondern sind eher im unspezifische Rückenschmerzresort zu finden.

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